Leipziger Messefernsehen 1953 Teil 2

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Leipziger Messefernsehen 1953 Teil 2 
23.Oct.25 14:48
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Mit Beginn der Leipziger Herbstmesse 1953 wurde am 30.August 1953 der Fernsehsender der Deutschen Post erstmalig in Betrieb genommen.

Inzwischen wurden Unterlagen im ehemaligen VEB Sachsenwerk Radeberg gefunden, die weitere interessante Details enthalten. 

In der DDR- Fachzeitschrift DEUTSCHE FUNK-TECHNIK Heft 11/1953 sind dazu auch einige Details gut beschrieben.

Relaisstrecke von Berlin-Adlershof  nach Leipzig , Standort Karl-Marx-Hochhaus (heute wieder EUROPA-HAUS) , Werksinfo. 

Das Fernsehzentrum Berlin-Adlershof  ist der Ausgangspunkt der Relaisstrecke   Werksfoto

Diese Spiegel strahlen Richtung Stülpe ab. Um den Schwierigkeiten, die sich bei der Überbrückung der Höhe von Alt-Glienicke südlich von Adlershof ergaben, begegnen zu können, wurde auf den Turm des Fernsehzentrums eine 7 m hohe Stahlbrücke aufgesetzt. Dort sind nun der 4m-Spiegel  für die Bildübertragung  und der 1,5 m Spiegel für den Ton befestigt.

Hier wird die Modulation von der Kamera bzw. dem Filmabtaster abgenommen und der Dezimeterstelle, welche im Turm  des Fernsehzentrums untergebracht ist, zugeführt.

Hier: Links steht das Richtverbindungsgerät RVG905A, Tonsender, in der Mitte das Richtverbindungsgerät RVG904B,Bildsender , rechts das Stromversorgungsgestell.  Werksfoto.

Von hier ab übernimmt die Deutsche Post nun die Verantwortung für die Übertragung des Programmes.

Die erste Relaisstelle befindet sich bei Stülpe . 

Der Gittermast ist 100 m hoch. Er steht 300 m NN und wurde vermutlich Ende der 30iger Jahre errichtet. In 80 m Höhe  ist der obere Reflektor angeordnet. Dieser Standort wurde übrigens 1949 bereits genutzt, (Dezimeterversuchsstrecke).

Der Spiegel für die Bildübertragung hat einen Durchmesser von 2,5o m und ist in 60 m Höhe montiert und  in 80m Höhe ist ein 1,5 m Spiegel für den Ton angebaut.​

Mittels Kabel wird die Modulation zur am Turmfuß  befindlichen Relaisstelle zugeführt.  alle Werkfotos

Hier wird verstärkt, es erfolgt die Signalüberprüfung und dann wird wieder zu den in Richtung Oschatz angebrachten Sendespiegeln weitergeleitet.

Von Stülpe bis Oschatz sind es 83 Km Luftlinie. Die Oschatzer Station befindet sich auf dem Collmberg. Um die Bildübertragung zu sichern, ist hier ein 4 m Spiegel erforderlich.Für den Ton reicht der 1,5 m-Spiegel. 

Dort wurde ein sogenannter Dreimaststützpunkt errichtet. Dieser Dreimaststützpuznkt stellt eine Kombination von drei in einem gleichseitigen Dreieck  von 12 m Kantenlänge aufgestellten Türmen von 25 m Höhe dar. An der Spitze ist dieser Turm durch eine dreieckige Plattform  (Stahlkonstruktion) miteinander verbunden, so daß in allen Richtungen weitere Spiegel angebracht werden können.

In Richtung Stülpe wurden für die ankommenden Bildsignale ein 4 m -Spiegel aufgebaut und für den Ton ein 1,5 m -Spiegel. In der Relaisstelle die gleiche Signalverstärkung, Kontrolle wie in Stülpe.

Hier ist laut dem damaligen Planungsstand ein Abzweig Richtung Dresden ( Radebeul) vorgesehen.

Jetzt sind die Parabolspiegel Richtung Leipzig montiert. In Leipzig sind auf dem Dach des Karl-Marx-Hauses (EUROPA-Haus) zwei Parabolspiegel von je 1,50 m Durchmesser aufgebaut. Foto privat

Originales Bild aus dem Jahre 1953, Hochhaus "Karl-Marx-Platz" Oben im Gebäude ist der Fernsehsender FS 873 aufgestellt. Es handelt sich um den 3-kw-Bildsender und den 0,6 kw Tonsender  OIR-Norm, produziert im VEB Sachsenwerk Radeberg. Die Antenne auf dem Hochhaus ist 24 m hoch, die Gebäudehöhe selbst ist 46 m. 

In der obigen Grafik ist das Empfangsgebiet in einem etwa 45 Km-Radius. Im Umkreis von etwa 20 Km wurden noch Empfangsfeldstärken von 1,7 bis 2,2 mV gemessen, in Leipzig selbst durchschnittlich 60mV.

Bei der Antenne handelt es sich um einen Diplexer, der also Bild und Ton zusammen zur Ausstrahlung bringt. Die Schmetterlinge, von denen jeder eine frequenzbeingte Abmessung von etwa 4 m Höhe hat sind in zwei Ebenen übereinander an einem Gittermast angeordnet. Auf dem Gittermast wurde zusätzlich ein Rohrmast aufgesetzt , an dem die Dipole für den UKW-Sender befestigt sind.

Sendeantenne  auf dem Hochhaus.

Die Richtfunkstrecke wurde in 4 Monaten und 9 Tagen aufgebaut. Alle zur Aufstellung gebrachten Geräte, also Zubringerstrecken und Sender wurden vom Sachsenwerk Radeberg konstruiert und gefertigt.

Ein Kommentar in der DEUTSCHEN FUNK-TECHNIK Heft 11 /1953 Seite 324:

Wir sind auf dem Gelände der Technischen Messe. Der alte Pavillon wurde abgerissen. Hier auf dem Bild sieht man den Gerätewagen der Radeberger Firma, da konnte schon Fernsehen gesehen werden.


Diese Fotos sind von privat, die Bildgrößen sind 9 x 6 cm ! Leider ist da nicht viel besser zu machen, aber wegen des historischen Gehaltes, erste Fernsehstraße auf einer Technischen Messe habe ich einige aus dem Album für Sie ausgewählt. Fotografen leider unbekannt.

Der alte Pavillon wurde abgerissen und ein neuer aufgebaut. Die Wände sind schon da, zum Teil stehen sie noch links am Baum.

Aufbau der Fernsehstraße, noch 48 Stunden bis zur Eröffnung

Kurz vor der Eröffnung am 30.August 1953

Das Interesse der Messebesucher ist groß. 

 

Ich will hier nochmal einen alten Beitrag aus dem Jahre 2019  von mir anhängen. Wir hatten ab 1956 einen Radeberger Fernseher Typ Rubens. Auf der Messestraße von Ende August 1953 ist dieser offensichtlich schon zu sehen, siehe 2 Bilder weiter oben, erstes Gerät von links. Insgesamt sieht man diesen 3 x.  Wer kann das bestätigen ??? Bitte melden - danke-

Wolfgang Lill
20.Jan.19
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rafena: Rubens in der guten Stube 

Das Bild (unten) stammt aus dem Nachlass meiner Eltern.

Auf der Rückseite ist vermerkt; Geburtstagsfeier am 26.6.1958.

Der Rubens war im schwarzen Klavierlackgehäuse. DerTransformator gehörte

wegen der häufigen Stromschwankungen unbedingt dazu.

Soweit ich mich erinnere, kauften meine Eltern den Fernseher samt Zubehör wie            Antennen, Kabel Trafo, Ende 1955 für etwa stolze

1600 DM ( DDR Mark hieß damals auch noch D-Mark DM)  Seitdem hatten wir viele neue  Freunde.

Bei der Kindersendung "Meister Nadelöhr" 

Sonnabend 16,00 Uhr waren schon mal 8...10 Nachbarskinder im Wohnzimmer. 

Die Fernsehsendungen wurden damals genau geplant,

Montags 20,00 Uhr der "Alte Film " aus der Vorkriegszeit war obligatorisch,

da durfte ich als 7 jähriger natürlich nicht gucken. ..aber es gab auch im ARD

(Ausser Raum Dresden) Sendungen, an welche ich mich gern erinnere,

so das "Sandmännchen" was immer 18,50 Uhr die kleinen Zuschauer zum

problemlosen ins Bett gehen animierte oder solche Sendungen wie

"Da lacht der Bär", zwischen" Frühstück und Gänsebraten" und natürlich die                         schönen Märchenfilme der DEFA...

Wir wohnten damals in Sebnitz und empfingen das Programm über den                       Sonderkanal* ( 145,25 - 151,75 MHz) von Radebeul- Wahnsdorf

*USB Band  S 6  Bild  und S7 Ton 

Ich erinnere mich, das ein Fernsehmechanikermeister Herr Lustig kam und                   irgendwann Ende 1958 den Bild- Tonabstand von 6,5 MHz auf 5,5 MHz umbaute.                          Bis dahin konnten meine Eltern auch das tschechoslowakische Fernsehen auf                            Kanal 12 mit Ton empfangen. Jetzt war, wenn ich mich recht erinnere, hinten                                   am Gerät ein Umschalter.

Der Empfang war sehr wetterabhängig, immerhin waren dazwischen 50 Km Luftlinie                            und Bergschatten. Mit zwei langen Yagi-antennen  hoch über dem Dachfirst war es aber erträglich....wir konnten Täve Schur von Walter Ulbricht unterscheiden !

Irgendwann im Jahre 1960 brachte mein Vater eine Folie mit und meinte, wenn wir                       die jetzt auf der Bildröhre anbringen, dann können wir das Bild farbig sehen.

Eine tolle Erfindung. Das war so, links begannen z.B. die Schwimmer blau, in der                       Mitte ging es zu grün gelb und rechts war es rötlich.... also wir habens mit Freude           geschaut....

Der Rubens hatte auch UKW- Empfangsteil, von ich glaube von ebenfalls Wahnsdorf, konnten wir zwei UKW Sender empfangen. 

Den Namen des Fernsehmechanikers Lustig habe ich mir so gut gemerkt, weil er häufig kam, meist war es die Hochspannungsröhre... und meine Mutter hatte schon immer 25 DMark daliegen um das Wechseln der Röhre zu bezahlen......

 

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

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Leipziger Messefernsehen 1953 Teil 2 
28.Oct.25 17:26
266 from 1949

Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Inzwischen sind einige Fotos von Lesern hier angekommen. Zwei davon, ebenfalls, wie es damals so war, im Format 6 x 9 cm, möchte ich hier zeigen.

Neben dem Rembrandt  scheint hier eine Weiterentwicklung ( es könnte der spätere RUBENS sein) in der Fernsehstraße zu stehen. 

Der Leningrad T2  

und der FE854 sind nicht zu sehen, also waren diese nicht ausgestellt.

Auch zwei weitere Firmen stellen auf der Leipziger Herbstmesse 1953 aus:

Das Werk für Fernmeldewesen Berlin Oberschöneweide zeigt ​den HF 2829 auf der Messe:

Fotos; Deutsche Funktechnik Heft 9/1953 Seite 262 ff.

Es handelt sich um ein Universalgerät. Es hat einen Radioteil mit UKW , Kurz- und Mittelwelle. . Das Gerät braucht als Fernsher 160 Watt, bei nur Rundfunkbetrieb 80 Watt. Das Fernsehbild wird auf dem 12-Zoll-Schirm betrachtet. Bildröhre HF 2146, für die eine Anodenspannung von 12 kV erforderlich ist.Das Gerät hat ein Gewicht von 46 Kg und folgende Kanäle: 40,5-48,5 MHz, 99 -106 MHz, 181-188 MHz und 208-216 MHz.

Von dieser Firma ist auch das Chassis des Kleinempfängers HF E6, aber eine Serienproduktion ist mir nicht bekannt...

Ein weiteres Fernsehgerät war ausgestellt von der Firma Niemann & Co aus Halle, der Sonata 54 FT. 

Es handelt sich hier um ein Tischgerät, dessen 12" Bildröhre durch Auswechseln der Bildmaske jederzeit gegen eine größere  Bildröhre ausgetauscht werden konnte. 

Der 10 + 2 Kanalwähler war als Revolverkanalwähler ausgeführt . Geliefert werden sollte das Gerät ab etwa Mai 1954.

 

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

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Leipziger Messefernsehen 1953 Teil 2 
06.Jun.26 12:21
1028 from 1949

Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Eine interessante Information will ich unseren Lesern nicht vorenthalten. Im Heft Nr. 1/1954 veröffentlichte die "Funktechnik" eine Information zu Empfangsmöglichkeiten der ersten zwei Fernsehsender  in der DDR.

 

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.